Wien im Rollstuhl
Was in der U-Bahn, im Taxi, an den kaiserlichen Sehenswürdigkeiten und vor der Tür eines Wiener Kaffeehauses funktioniert.
Wien gehört zu den europäischen Hauptstädten, in denen sich ein Rollstuhl vergleichsweise leicht bewegen lässt. Die U-Bahn hat an jeder Station Aufzüge, der Straßenbahnpark ist überwiegend niederflurig, und das Busnetz kniet mit ausfahrbaren Rampen ab. Bringen Sie einen Behindertenausweis aus Ihrem Heimatland und ein aktuelles ärztliches Attest mit; Österreich erkennt die European Disability Card nicht an.
Das Bild gilt in den inneren Bezirken durchgängig. Die Ringstraße und der 1. Bezirk sind gepflastert und breit. Kopfsteinpflaster gibt es stellenweise rund um den Stephansdom, in Teilen von Spittelberg und in einigen Vorstadt-Seitengassen, doch die Hauptachse vom Opernring über die Hofburg zum Volksgarten ist eben. Gehwege in den äußeren Bezirken sind unebener, abgesenkte Bordsteine sind aber an signalisierten Übergängen Standard.
Drei Dinge prägen jeden Wien-Plan. Erstens ist die U-Bahn wirklich stufenlos: jede Station jeder Linie hat mindestens einen Aufzug. Zweitens ist die Straßenbahn das Arbeitspferd für Ring und ersten Bezirk, auf den meisten Linien mit Niederflurfahrzeugen. Drittens gibt es rollstuhlgerechte Taxis, die jedoch eine telefonische Vorbestellung erfordern, abends oft mit einem Tag Vorlauf.
Im Folgenden eine themenweise Übersicht, wie Wien für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer funktioniert, welche Unterlagen Sie einpacken sollten und wo Sie am ersten Tag beginnen.
Wo Sie beginnen
Wenn Sie drei Tage haben, stützen Sie sich auf die U-Bahn, die Ringstraßenbahn und die Buslinien des 1. Bezirks. U1, U2, U3, U4 und U6 sind vollständig mit Aufzügen ausgestattet und erreichen jede größere im Rollstuhl lohnende Sehenswürdigkeit. Die Ringstraßenbahn (Linien 1 und 2) umrundet Hofburg, Oper, Rathaus und Burgtheater in zwanzig Minuten Niederflurfahrt.
Wählen Sie ein Hotel nahe Karlsplatz, Stephansplatz, Schottentor oder Rathaus. Diese Standorte bringen Sie in einer stufenlosen U-Bahn- oder Straßenbahnfahrt zu Hofburg, Albertina, Stephansdom, Staatsoper und Museumsquartier. Schönbrunn und Belvedere liegen beide an direkten U-Bahn- oder Straßenbahnlinien vom Zentrum aus.
Reservieren Sie mindestens eine rollstuhlgerechte Taxifahrt im Voraus für den entscheidenden Moment: meistens eine späte Rückfahrt nach einem Konzert oder einen Transfer zum Hauptbahnhof. Wiener Anbieter rollstuhlgerechter Taxis nehmen Bestellungen telefonisch entgegen und wünschen mindestens zwei Stunden Vorlauf tagsüber, abends länger.
Die meisten Bundesmuseen und Schlösser gewähren Menschen mit Behinderung einen ermäßigten Eintritt, eine eingetragene Begleitperson erhält freien Eintritt. Bringen Sie einen Lichtbildausweis und Ihren Behindertenausweis aus dem Heimatland oder ein aktuelles ärztliches Attest auf Briefpapier mit. Die Seite zu Behindertenermäßigungen listet auf, was jede große Einrichtung akzeptiert.
Sehenswürdigkeiten im Detail
Schloss Schönbrunn und Gärten: ein UNESCO-gelistetes kaiserliches Sommerschloss an der U4. Die Appartements und Prunkräume sind über einen Seiteneingang mit Aufzug stufenlos erreichbar; die Gärten sind überwiegend gepflastert mit sanften Anstiegen; die Aussichtsterrasse Gloriette ist über einen Servicepfad stufenlos erreichbar, den das Personal auf Anfrage zeigt.
Hofburg: die ehemalige kaiserliche Winterresidenz und ein Museumskomplex (Kaiserappartements, Sisi-Museum, Silberkammer, Kaiserliche Schatzkammer). Stufenloser Zugang über den modernen Burghof; Aufzüge auf jede Ebene der Hauptausstellungen; die Schatzkammer hat einen eigenen stufenlosen Eingang am Schweizerhof.
Stephansdom: der gotische Dom im Stadtzentrum. Stufenloser Zugang durch das Riesentor an der Westfront. Hauptschiff und Seitenkapellen sind zugänglich. Nord- und Südturm sowie die Katakomben nicht.
Belvedere: ein barockes Schlosspaar (Oberes und Unteres Belvedere) mit der Österreichischen Galerie, einschließlich Klimts Der Kuss. Beide Schlösser sind stufenlos mit Aufzügen zwischen den Ebenen; der formale Garten dazwischen ist auf den Hauptachsen gepflastert.
Prater: der historische Vergnügungspark mit dem Riesenrad. Der Park selbst ist entlang der Hauptallee stufenlos; das Riesenrad hat eine stufenlose Kabine, die vorab beim Betreiber reserviert wird.
Flughafen und Ankunft
Der Flughafen Wien (VIE) ist der einzige kommerzielle Flughafen der Stadt. PRM-Assistenz ist nach der EG-Verordnung 1107/2006 kostenfrei, wird über Ihre Fluggesellschaft mindestens 48 Stunden vor Abflug gebucht und deckt Transfers im Terminal, Einstieg und Gepäck ab. Der Flughafen verfügt über ein eigenes Mobilitätsserviceteam und durchgehend stufenlose Terminals.
Transfer nach Wien Zentrum vom VIE: Der City Airport Train (CAT) fährt in 16 Minuten zu Wien Mitte mit niederflurigem stufenlosem Einstieg; ÖBB Railjet und S-Bahn S7 bedienen den Flughafen ebenfalls stufenlos; oder buchen Sie ein rollstuhlgerechtes Taxi für eine Tür-zu-Tür-Fahrt zum Hotel vor. Der Flughafenbahnhof hat Aufzüge zu jedem Bahnsteig.
Öffentlicher Verkehr im Überblick
Die Wiener Linien betreiben U-Bahn, Straßenbahn und Busnetz in der Stadt. Jede U-Bahn-Station hat mindestens einen Aufzug, und der Aufzugsstatus wird nahezu in Echtzeit in der Wiener-Linien-App angezeigt. Busse sind durchgehend niederflurig mit ausfahrbaren Rampen und einem eigenen Rollstuhlplatz; der Fahrer senkt die Rampe auf Anfrage ab.
Straßenbahnen sind in den charakteristischen ULF- (Ultra Low Floor) und Flexity-Flotten der Stadt überwiegend niederflurig, mit stufenlosem Einstieg auf Bahnsteighöhe an modernen Ringstraßenhaltestellen. Eine kleine Zahl älterer Garnituren verkehrt noch auf einigen Linien, und Haltestellen in äußeren Bezirken sind nicht immer erhöht. Prüfen Sie die Barrierefreiheitsseite der Wiener Linien Linie für Linie, bevor Sie sich auf eine bestimmte Verbindung verlassen.
Die ÖBB bedient den Fernverkehr über Wien Hauptbahnhof und den sekundären Westbahnhof. Der ÖBB-Mobilitätsservice bucht die Einstiegshilfe kostenfrei über den Kundendienst unter 05 1717 5, idealerweise einen Werktag im Voraus. Railjet, Cityjet und Nightjet führen jeweils mindestens einen barrierefreien Rollstuhlplatz; ältere Regionalzüge können eine mobile Rampe benötigen.
Unterlagen und Ermäßigungen
Bringen Sie zu jeder Einrichtung zwei Dinge mit: einen Lichtbildausweis und einen anerkannten Behindertenausweis oder ein aktuelles ärztliches Attest auf Briefpapier. Der österreichische Behindertenpass ist Einwohnern vorbehalten (Antragstellerinnen und Antragsteller müssen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Land haben). Besucher legen ihr Pendant aus dem Heimatland vor und, wo es hilft, eine kurze deutsche Übersetzung des ärztlichen Attestes.
Österreich ist nicht am Pilotprojekt European Disability Card beteiligt, eine EDC aus einem teilnehmenden Land hat also keinen formellen Status. Die meisten Bundeseinrichtungen akzeptieren sie in der Praxis dennoch, wenn sie mit einem Lichtbildausweis kombiniert wird, doch die richtige Grundlage ist Ihr Heimatlandausweis plus ärztliches Attest. Die Seite zu Behindertenermäßigungen führt auf, was jede große Wiener Einrichtung an der Kasse verlangt.
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Quellen:
- RIS: Bundesbehindertengesetz (BBG) (geprüft am )
- Sozialministeriumservice: Behindertenpass (geprüft am )
- European Commission, European Disability Card pilot (geprüft am )
- Wiener Linien: Barrierefreiheit (geprüft am )
- ÖBB: barrier-free travelling (geprüft am )
- austria.info (Austrian National Tourist Office) (geprüft am )